Schafherde mit Lämmern in Australien

Wind der Veränderung 

Wie ein australischer Wollproduzent erfolgreich das grausame Mulesing verabschiedet

2.10.2020

Seit 1890 züchtet das Familienunternehmen in New-South-Wales, Australien, Merinoschafen. 75% der weltweit produzierten Merinowolle für die globale Bekleidungsindustrie kommt aus dem heißen Kontinent.  Auf der Farm von Norm and Pip ist jedoch etwas anders: Ihre 8.800 Merinoschafe werden nicht der grausamen Verstümmelung Mulesing unterzogen.

Mulesing

Mulesing ist ein Verfahren, bei dem große Hautfalten am Hinterteil der Lämmer abgeschnitten werden, und das meist ohne Betäubung. Dies wird als notwendig erachtet, um einen möglichen Fliegenmadenbefall zu bekämpfen: in den Hautfalten der Schafe können sich Fliegenmaden einnisten, was zu einer Infektion führen kann. Mulesing geschieht in guter Absicht, um den Schafen zu helfen. Vor allem aber wird es angewendet, weil es schnell und billig erscheint (zumindest kurzfristig gedacht) und nicht, weil es die beste Methode zur Bekämpfung des Fliegenmadenbefalls ist.

Stellen Sie sich vor, jemand würde Ihnen bei vollem Bewusstsein mit einem großen Messer Teile Ihres Hinterns abschneiden. Genau diese blutige und traumatisierende Prozedur ist es, die Millionen von Lämmern in Australien noch immer erdulden müssen. 

Keine Falten – keine Schmerzen

Aber nicht auf der Farm von Pip und Norman: Sie züchten eine bestimmte Art von Merinoschafen ohne Falten, die von Natur aus resistenter gegen Fliegenmadenbefall sind. 

Diese Merinoschafe sind generell widerstandsfähiger, fruchtbarer, sowie leistungsfähiger und pflegeleichter. Sie sind im Allgemeinen besser an die australische Weidelandschaft angepasst. Die australischen Wollzüchter haben jetzt die Wahl mittels resistenter Schafgenetik und der richtigen Beratung innerhalb von 3-5 Jahren umzusteigen und somit das Mulesing zu beenden. Verbraucher weltweit fragen immer mehr nach Ware, die unter Einhaltung des Tierwohles produziert wird. Ein Umstieg, um Mulesing zu beenden, ist unvermeidbar.

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Glückliche Schafe – bessere Wolle

An erster Stelle steht für Norm und Pip natürlich, dass ihre Schafe ein gutes Leben haben. Gleichzeitig stellen sie aber auch ein besseres Produkt her, das nach ihren Angaben besser verarbeitet werden kann, elastischer ist und weicher auf der Haut liegt. Zudem fallen weniger Kurzfasern an und daher wird auch weniger Abfall produziert. „Die Umstellung auf SRS Merinos (resistentere Schafzüchtungen) war eine gute finanzielle Entscheidung für Glenwood, da wir eine bedeutende Gewinnsteigerung gesehen haben.“, sagt Norm. „Die Umstellung war auch nicht besonders kostspielig". – Wichtige Informationen, die mehr australische Schafhalter ermutigen sollen das Mulesing zu beenden.

Über 3.000 Produzenten sind mulesing-frei 

Mit der Erkenntnis all dieser Vorteile vollzieht sich in Australien langsam ein Wandel. Mehr als 3.000 Wollzüchter sind bereits als mulesing-frei zertifiziert. Der neue Bericht „Eine Zukunft ohne Mulesing (Originaltitel: Towards a Non-Mulesed Future)“ hebt hervor, dass der Umstieg weg vom Mulesing zugleich machbar aber auch wirtschaftlich vorteilhaft ist.

Dieser neue Bericht, der von VIER PFOTEN und Humane Society International (HSI) in Auftrag gegeben wurde, präsentiert die Daten aus einer Umfrage von 97 australischen Wollzüchtern in verschiedenen Bundesstaaten, Klimazonen und Regengebieten. Der Report zeigt eindeutig, dass die Industrie ihre Abhängigkeit vom Mulesing durch resistentere Genetik beenden kann, ohne dabei Einbußen in Wollmenge oder Wollqualität in Kauf nehmen zu müssen oder Schafe dem Fliegenbefall auszusetzen. 

Diese Schafe sind gegen alle Formen des Fliegenbefalls resistenter, ohne dass das grausame Mulesing an ihnen durchgeführt werden muss.

In Australien gibt es den Mythos, dass mehr Falten mehr Wolle bedeuten. Pip und Norm haben jedoch festgestellt, dass ihre faltenlosen Schafe die gleiche Menge produzieren – in besserer Qualität. Der Bericht beweist, dass Pip und Norm kein Einzelfall sind und viele andere Bauern die gleiche Erfahrung gemacht haben.

Überholte Praktiken

Die Veränderung alter Gewohnheiten und Traditionen ist oft ein langsamer Prozess, der auf Zweifel stößt. Die Fakten sprechen jedoch für sich, und hoffentlich werden immer mehr Landwirte erkennen, dass sie ihren Betrieb stärken und es gleichzeitig ihren Tieren besser geht.

Wenn diese Art von Schafen eine bessere Lebensqualität hat, qualitativ hochwertigere Wolle produziert und ein höheres finanzielles Ergebnis erzielt – warum macht es dann nicht jeder Farmer in Australien so, wie es Pip und Norm tun? „Diese konservative Industrie hat heute die Möglichkeit, ihr Vorgehen zu ändern und mit einem Tier zu arbeiten, dass sich in seiner Umgebung wohler fühlt und rentabler ist. Die Verbraucher wollen heute ein Produkt, das nachhaltig und ethisch vertretbar ist.“, sagt Norm.

Norman und Pip schlafen nachts nun noch besser, weil sie wissen, dass ihre Schafe keine traumatisierende Prozedur wie das Mulesing über sich ergehen lassen müssen und dass es ihrer Familie besser geht denn je.

Lamm in Australien

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Die in diesen Interviews geteilten Meinungen spiegeln die Ansichten der Autoren wider und nicht die Position von VIER PFOTEN.

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